Typische Erkältungsmythen: Was ist wahr?

In der kalten Jahreszeit müssen sich viele Menschen mit Schnupfen, Husten und Co. herumschlagen. Verständlicherweise möchten Patienten die Erkältungssymptome so schnell wie möglich wieder loswerden – um die Behandlung ranken sich jedoch so einige Erkältungsmythen. Stimmt es, dass warmes Bier die Symptome lindert? Und lässt sich die Erkältung einfach in der Sauna ausschwitzen? Ist eine Erkältung durch Küssen oder Sex ansteckend? Welche Erkältungsmythen sind wahr?

Frau sitzt in der Sauna und will ihre Erkältung ausschwitzen – geht das oder ist das nur ein Erkältungsmythos?

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Die Erkältung in der Sauna ausschwitzen – Wahrheit oder Mythos?

Vor allem in Finnland wird das Saunieren zelebriert – mindestens einmal die Woche wird dort die Schwitzstube besucht.1 Und ein regelmäßiger Saunagang kann dann tatsächlich das Immunsystem stärken und einer Erkältung vorbeugen. Denn: Er sorgt für eine bessere Durchblutung der Schleimhäute in Nasen- und Rachenraum. Das fördert wiederum die Funktion der lokalen Immunabwehr. Voraussetzung für diesen positiven Effekt ist allerdings, dass beim Besuch der Sauna kein Infekt vorliegt.

Aber wie sieht es aus, wenn Schnupfen und Co. Sie bereits fest im Griff haben? Kann ein Saunagang helfen, die Erreger einfach auszuschwitzen? Leider nicht. Ganz im Gegenteil: Es ist sogar möglich, dass die Erkrankung nach dem Schwitzen erst richtig zuschlägt. Denn die Hitze und die veränderte Luftfeuchtigkeit sind eine zusätzliche Belastung für den ohnehin schon geschwächten Körper und können Herz sowie Kreislauf schaden. Da der Organismus mit den hohen Temperaturen zurechtkommen muss, fehlt ihm die Energie zur Bekämpfung der Viren – die Symptome können sich verstärken.

Warmes Bier gegen Erkältung

Dass warmes Bier bei Erkältung helfen soll, ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Zwar können die enthaltenen ätherischen Öle und Bitterstoffe in Hopfen und Malz beruhigend und schlaffördernd wirken. Aber: Alkohol schwächt das Immunsystem und entzieht dem Körper Wasser. Wer das Hausmittel dennoch ausprobieren möchte, sollte daher zur alkoholfreien Variante greifen.

Tipp:

Generell bieten sich bei Halsschmerzen und Schluckbeschwerden warme Getränke an, so zum Beispiel Ingwer- oder Kräutertees. Sie haben eine beruhigende Wirkung auf die gereizten Schleimhäute. Zudem können sie das Husten und Abfließen von Schleim erleichtern.

Erkältung entsteht durch Kälte – oder?

Das stimmt so nicht ganz. Auch wenn ein grippaler Infekt vorrangig in den kalten Monaten auftritt, ist Kälte nicht direkt für den Ausbruch verantwortlich. Dennoch gibt es zwei Faktoren, die damit in Zusammenhang stehen:

Zum einen kühlt aufgrund der niedrigen Außentemperatur die Körperoberfläche schneller aus. Daraufhin ziehen sich die Blutgefäße zusammen und die Durchblutung nimmt ab. Auf diese Weise schützt der Körper die lebenswichtigen Organe vor Unterkühlung. Allerdings hat dies auch zur Folge, dass die Schleimhäute nur noch eingeschränkt durchblutet werden. Es zirkulieren daraufhin weniger Abwehrzellen und Erkältungserreger können sich leichter ausbreiten.

Zum anderen begünstigt die trockene Heizungsluft in Herbst und Winter eine Ansteckung. Die Schleimhäute sind dann besonders gereizt und können den Schutz vor Erregern nicht hundertprozentig aufrechterhalten. Da wir uns in den kalten Monaten vermehrt innen aufhalten – wo die Virendichte höher ist –, steigt auch die Gefahr einer Infektion.

Das Abwehrsystem kann aber auch durch andere Faktoren geschwächt sein, beispielsweise durch Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder infolge von zu viel Stress.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Ist Nase hochziehen gesund oder ungesund?

Die Nase läuft, aber soll man nun das Sekret geräuschvoll hochziehen? Oder ist das ungesund? Die feinen, beweglichen Flimmerhärchen in der Nase sorgen beim Nase hochziehen dafür, dass der Schleim in Richtung Rachen abtransportiert wird. Ein Großteil der Keime wird dann einfach hinuntergeschluckt und landet in der aggressiven Magensäure, wo sie vernichtet werden. Somit ist das Hochziehen an sich nicht ungesund.

Des Weiteren gilt das Hochziehen des Sekrets als hygienischer – auch wenn viele Menschen es als unangenehm empfinden. Denn beim Schnäuzen in ein Taschentuch besteht die Gefahr, dass Viren und Co. an den Händen zurückbleiben. Wäscht man sich im Anschluss nicht umgehend die Hände, sondern fasst beispielsweise eine Türklinke an, können sich unter Umständen weitere Personen infizieren.

Tipp: Richtig schnäuzen

Wem das Hochziehen unangenehm ist, der sollte beim Schnäuzen dennoch einiges beachten. Halten Sie immer jeweils ein Nasenloch zu, während Sie das andere von Sekret befreien. Hierbei ist es wichtig, sacht ins Taschentuch zu pusten. Aus hygienischen Gründen sollten Sie ein Papiertaschentuch nach einmaligem Gebrauch entsorgen.

Mit Vitamin C lässt sich einer Infektion vorbeugen

Leider handelt es sich bei dieser Aussage um einen Mythos. Zwar trägt das Vitamin zu einem funktionierenden Immunsystem bei, allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass die regelmäßige zusätzliche Einnahme von Vitamin C einen vorbeugenden Effekt gegen Erkältungen hat.3

Im Übrigen scheidet der Körper überschüssiges Vitamin C einfach aus. Demnach nützt es auch nichts, mehr aufzunehmen, als benötigt wird (beispielsweise in Form von Nahrungsergänzungsmitteln). Es ist daher möglich, die Vitaminmenge mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung (mit viel Obst und Gemüse) zu decken.

Gut zu wissen:

Vitamin C verträgt hohe Temperaturen nicht, bei Hitze wird es quasi zerstört. Getränke mit dem Vitamin, beispielsweise „heiße Zitrone“, sollten daher nur mit lauwarmem Wasser aufgegossen werden.

Helfen Antibiotika bei einem grippalen Infekt?

Hier lautet die Antwort klar: nein. Denn eine Erkältung oder auch Grippe wird nicht durch Bakterien, sondern durch Viren ausgelöst – und gegen diese sind Antibiotika wirkungslos. Die Medikamente kommen in der Regel nur dann zum Einsatz, wenn sich zusätzlich zu der viralen noch eine bakterielle Infektion (Super- oder Sekundärinfektion) entwickelt hat. Ist die Immunabwehr im Rahmen der Erkältung bereits geschwächt, haben es andere Erreger leichter einzudringen. Dies kann zum Beispiel bei einer Nasennebenhöhlenentzündung der Fall sein.

Wissenswertes zur Nasennebenhöhlenentzündung

Liegt eine bakterielle Entzündung vor, ist die Gabe von Antibiotika in der Regel gerechtfertigt. In diesem Fall sollten Sie aber darauf achten, die Arzneimittel immer so lange wie vom Arzt empfohlen einzunehmen (auch, wenn Sie sich bereits besser fühlen). Ansonsten besteht das Risiko, dass sich eine Resistenz (Widerstandsfähigkeit) gegen die Wirkstoffe bildet. Das heißt, dass die Erreger zukünftig nicht mehr auf diese Art von Antibiotika reagieren.

Übrigens:

Ein weiterer Mythos, der sich hartnäckig hält, ist die Impfung gegen Erkältungsviren. Eine solche ist derzeit nicht möglich. Der Grund: Da es über 200 verschiedene Erregertypen gibt, gestaltet sich die Entwicklung eines Impfstoffs als schwierig.4

Bei einer Erkältung ist Küssen tabu…

Nicht unbedingt. Zwar werden beim Küssen Viren und Bakterien von Person zu Person übertragen, allerdings ist das Risiko für eine Ansteckung gar nicht so hoch. Denn beim Küssen werden die Erreger mit dem Speichel in den Magen transportiert, wo die Magensäure sie zersetzt.

Vorbeugend betrachtet ist Küssen sogar gesund. Denn es macht nicht nur glücklich, sondern stärkt auch das Immunsystem. Beim Küssen wird die Produktion von Antikörpern angeregt, was die Abwehrkräfte stärkt.

Erkältung und Geschlechtsverkehr – (k)eine gute Idee?

Die Gefahr, dass Sie sich beim Sex mit einer Erkältung anstecken, ist so gering oder hoch wie beim Küssen. Dennoch ist zu bedenken, dass Geschlechtsverkehr für den Körper anstrengend ist – vor allem, wenn dieser bereits durch eine Erkältung geschwächt ist. Während einer akuten Krankheitsphase sollten Sie daher lieber auf Sex verzichten. Zur Vorbeugung kann Geschlechtsverkehr allerdings das Immunsystem trainieren, da hier – wie beim Küssen – Erreger ausgetauscht und Abwehrzellen aktiviert werden.

1Marien Apotheke: Sauna für das Immunsystem. URL: https://www.marien-apotheke-prien.de/magazin/Sauna-fuer-das-Immunsystem-2901 (21.01.2020).
2Uehleke, Bernhard / Hentschel, Hans-Dieter: Das große Kneipp-Gesundheitsbuch. Stuttgart: TRIAS 52019. S. 63.
3Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Hilft Vitamin C gegen Erkältungen? URL: https://www.dge.de/presse/pm/hilft-vitamin-c-gegen-erkaeltungen/ (21.01.2020).
4Lungenärzte im Netz: Abgrenzung zu Erkältungskrankheiten. URL: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/grippe/abgrenzung-zu-erkaeltungskrankheiten/ (20.01.2020)