Ist die Sommergrippe eine echte Grippe?


Zugegebenermaßen führt der umgangssprachliche Begriff „Sommergrippe“ etwas in die Irre: Tatsächlich ist sie keine echte Grippe, die durch Influenzaviren ausgelöst wird, sondern ein grippaler Infekt, der im Sommer auftritt. Die Infektion mit Viren erfolgt, wie bei einer Erkältung im Winter, häufig durch eine Tröpfcheninfektion. Niest oder hustet der Erkrankte, fliegen die Krankheitserreger umhüllt von winzigen Speicheltröpfchen bis zu zwei Meter durch die Luft.1 Andere Menschen atmen diese dann ein.

Zudem ist eine Ansteckung mit einer Sommergrippe über eine Schmierinfektion möglich. Beispielsweise dann, wenn man dem Erkrankten die Hand schüttelt, aus demselben Glas trinkt oder Türklinken, Wasserhähne und andere Gegenstände berührt, die auch die erkältete Person nutzt. Der Weg von der Hand zu den Schleimhäuten von Mund, Augen oder Nase ist nicht mehr weit und von dort können die Krankheitserreger in den Körper gelangen.

Symptome einer Sommergrippe

Bei einer Sommergrippe können die Symptome durchaus stark ausgeprägt sein. In manchen Fällen können auch Magen-Darm-Beschwerden Teil der Sommergrippe sein. Typische Anzeichen für eine Sommergrippe sind unter anderen:

Dauer einer Sommergrippe


Die Beschwerden bei einer Sommergrippe können eine bis zu zwei Wochen andauern, wobei die Akutphase meist bei durchschnittlich 3 Tagen liegt. Sollten die Symptome jedoch länger als 2 Wochen anhalten oder Fieber über 39 Grad auftreten, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden. Nur in seltenen Fällen wird vom Arzt Antibiotika verschrieben, nämlich dann wenn eine bakterielle Infektion vorliegt. Bei viralen Infekten ist Antibiotika wirkungslos.

Was begünstigt eine Sommergrippe?


„Zieh dir ´was Warmes an“ – der gutgemeinte Ratschlag unserer Eltern hallt wohl noch in vielen Köpfen nach. Anstelle niedriger Temperaturen sind in erster Linie Krankheitserreger dafür verantwortlich, dass wir uns erkälten. Sie ergreifen ihre Chance und suchen sich eine günstige Lücke in unserem Immunsystem. Kälte ist trotzdem nicht vollkommen nebensächlich für einen grippalen Infekt. Eine anhaltende Auskühlung erhöht die Infektanfälligkeit. Das kann auch im Sommer passieren, beispielsweise durch dauerhaft zu kalt eingestellte Klimaanlagen, sei es im Büro, Supermarkt oder Hotelzimmer. Die klimatisierte Luft trocknet die Schleimhäute aus, woraufhin sie bei ihrer Aufgabe, Krankheitserreger abzuwehren, gehindert werden.

Weitere Risikofaktoren für eine Sommergrippe sind:

  • Zugluft: Wenn sich die Hitze im Auto oder der Wohnung staut, ist die Versuchung groß, bei geöffneten Fenstern zu fahren oder den Ventilator auf höchster Stufe laufen zu lassen, um den erhitzten Körper abzukühlen. Jedoch sinkt durch Zugluft die Temperatur der Rachenschleimhäute. Aufgrund der daraus folgenden schlechteren Durchblutung büßen sie ihre Abwehrfunktion ein.
  • Angegriffene Körperabwehr: Ein ungünstiger Lebensstil, geprägt von Stress, Alkohol, Nikotin und vitaminarmer Ernährung, ebnet Viren selbst bei hohen Außentemperaturen den Weg.
  • Verschwitzte oder nasse Kleidung: Egal ob das schweißgetränkte, am Rücken klebende T-Shirt oder die nasse Badehose – auch im Sommer ist eine Unterkühlung nicht zu unterschätzen. Schlüpfen Sie daher so bald wie möglich in trockene Kleidung.
  • Kalte Getränke: Eine kühle Saftschorle oder Limonade mit Eiswürfeln – leider nur eine Erfrischung von kurzer Dauer. Zum einen wird durch die Kälte die Durchblutung angekurbelt, woraufhin einem erst recht heißt wird, zum anderen ist auch in diesem Fall die Funktion der Schleimhäute eingeschränkt.

Doch auch das Gegenteil, nämlich Hitze, kann das Immunsystem belasten und so anfällig machen für eine Erkältung. Sonnenanbeter sollten daher nicht zu lange in der Sonne liegen.

Die Behandlung einer Sommergrippe


Um bei einer Sommergrippe zügig wieder fit zu werden und andere Personen nicht anzustecken, ist es wichtig, die Erkrankung einige Tage zuhause auszukurieren.3 Gönnen Sie sich Ruhe und sorgen Sie für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Zwei Liter täglich sollten es schon sein.4 Gut geeignet sind ungesüßte Tees oder Sie mischen stilles Wasser mit Fruchtsäften im Verhältnis 4:1.5 So unterstützen Sie Ihren Körper dabei, festgesetztem Schleim zu verflüssigen und nach außen zu befördern. Natürlich gibt es auch Erkältungspräparate, mit denen die Beschwerden der Sommergrippe gelindert werden können. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

So bereiten Sie einen Erkältungstee zu

Sie benötigen

  • 20 Gramm Hagebutten,
  • jeweils 14 Gramm Holunder-, Linden- und Kamillenblüten,
  • 11 Gramm Brombeerblätter,
  • 10 Gramm Weidenrinde und
  • 5 Gramm Hibiskusblüten.

Mischen Sie die angegebenen Mengen und übergießen Sie dann 2 Teelöffel davon mit einem ¼ Liter kochendem Wasser. Nach 10 Minuten Ziehzeit können Sie den Erkältungstee genießen.1 Das Rezept stammt übrigens von dem verstorbenen Apotheker Pahlow, dessen Spezialgebiet Heilpflanzen waren.

Ist das Immunsystem bereits durch Erkältungsviren geschwächt, entwickelt sich nicht selten eine sogenannte bakterielle Superinfektion. Wenn Sie dafür typische Symptome bei sich festellen, etwa über 38,5 Grad Fieber oder Husten mit eitrigem Auswurf, sollten Sie einen Arzt konsultieren, der dann gegebenenfalls ein Antibiotika verordnet.6

Sport bei Sommergrippe: Ist das ratsam?


Eine laufende Nase muss nicht unbedingt einen Trainingsstopp bedeuten. Wer sich jedoch schlapp fühlt oder gar Fieber hat, sollte sportlich einen Gang zurückschalten. Die Anstrengung fordert unser Immunsystem zusätzlich (Open Window Phänomen). Außerdem wird beim Sport die Durchblutung angekurbelt, Krankheitserreger breiten sich so schneller im Körper aus. Beispielsweise kann sich so aus einem vermeintlich harmlosen grippalen Infekt eine ernstzunehmende Herzmuskelentzündung entwickeln. Um nicht ganz auf Bewegung zu verzichten, bietet sich ein Spaziergang an der frischen Luft an. Ist die Sommergrippe überstanden, empfiehlt es sich, lieber langsam wieder mit dem Training zu beginnen, statt seinen Körper sofort wieder zu sportlichen Höchstleistungen zu animieren.

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Mit einem robusten Immunsystem der Sommergrippe vorbeugen


Natürlich ist man vor einem grippalen Infekt wie der Sommergrippe nie gefeit. Es gibt aber durchaus Maßnahmen, die die Gesundheit fördern und die körpereigene Abwehr stärken.

  • Stress reduzieren: Suchen Sie sich einen Ausgleich, um den Stress im Berufs- und/oder Privatleben für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Wie wäre es mit Meditation, Yoga oder anderen Sportarten?
  • Ausgewogene Ernährung: Der Mineralstoff Zink ist wichtig für ein gutes Funktionieren des Immunsystems. Enthalten ist es unter anderem in Weizenkeimen, weißen Bohnen und Nüssen. Auch Vitamin C spielt bei der Infektvorbeugung eine große Rolle. Enhalten ist es zum Beispiel in Petersilie, Sauerkraut, Hagebutten, Holunderbeeren, Kiwis, Sanddorn, Brokkolie und Zitrusfrüchten.
  • Immunstärkende Gewürze: Vor allem Knoblauch, Thymian, Kurkuma und Ingwer haben positiven Einfluss auf unser Immunsystem. Ingwer beispielsweise hat die Eigenschaft, anregend auf die Abwehrstoffproduktion der Schleimhäute zu wirken. Für einen frisch zubereiteten Ingewertee schneiden Sie ein etwa walnussgroßes Stück frischen Ingwer in kleine Stücke und übergießen diesen mit heißem Wasser. Nach 10 Minuten Ziehzeit können Sie den Tee mit einem Stück Zitrone oder einem Löffel Honig verfeinern.7
  • Eberrautentee: Wer sein Immunsystem gegen Viren “wappnen” möchte, kann einen Tee aus Eberraute zubereiten. Dazu 1 Teelöffel Eberraute (erhältlich in der Apotheke) mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen.1
  • Öleinreibungen: Wer auch in den Sommermonaten häufiger fröstelt, kann es mit einmal täglichen Öleinreibungen des ganzen Körpers versuchen,8 um so seine Infektgefährdung zu senken. Geeignet dafür ist Ölivenöl, wer es weniger geruchsintensiv mag, ist mit Erdnuss- oder Mandelöl gut beraten. Der beste Zeitpunkt für die Anwendung ist nach dem Duschen oder Baden.
  • Funktionskleidung: Kleidungsstücke aus Wolle, Polyester und Polypropylen nehmen den Schweiß gut auf. Sie sind atmungsaktiv und leiten den Schweiß effektiver an die Außenseite des Kleidungsstückes, der so schneller verdunstet.
  • Gleichbleibende Schlafzeiten: Die Immunfunktionen leiden unter einem ständigen Wechsel der Zubettgezeiten, wie er beispielsweise beim Schichtdienst unvermeidlich ist. Die Folge: Eine gesteigerte Infektanfälligkeit.
  • Bestens gewappnet bei Temperaturunterschieden: Außen ist es heiß, im Gebäude oder Auto klimatisiert. Um nicht abwechselnd zu schwitzen und zu frieren, sollten Sie immer einen dünnen Pullover oder ein leichtes Sommerjäcken dabeihaben. 

Der Sommergrippe vorbeugen können Sie auch, indem Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen, um eine Schmierinfektion mit Erkältungsviren zu vermeiden.

Heilkraft der Natur nutzen

Ausreichend trinken, Nasenspülung – diese Hausmittel bei Erkältung sind hinlänglich bekannt. Doch haben Sie schon einmal etwas vom Ölschlürfen gehört? Und wissen Sie, wie genau man Wadenwickel anlegt?

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Julia Lindert Die Ressortjournalistin Julia Lindert spezialisierte sich während ihres Studiums auf die Themenfelder Medizin und Biowissenschaften. Medizinische Sachverhalte in verständlicher Sprache zu formulieren, ist das, was sie an ihrer Arbeit besonders mag. Ihr Credo in Bezug auf Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten: Nichts beschönigen, aber auch keine unnötigen Ängste schüren. Julia Lindert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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