Was bedeutet Immunschwäche?

Bei einer Immunschwäche ist das Immunsystem in seiner Funktion beeinträchtigt, den Organismus vor fremden Erregern (etwa Viren, Bakterien, Pilzen), aber auch vor eigenen veränderten Zellen (Krebszellen) zu schützen. Als Folge daraus, kann es vermehrt zu Infektionen, beispielsweise Erkältungen, oder der Entwicklung von Krebserkrankungen kommen.1

Symptome: Wie zeigt sich eine Immunschwäche?


Patienten mit Immunschwäche leiden gehäuft unter besonders schweren oder langanhaltenden Infektionskrankheiten. Meist entwickelt sich zunächst eine leichtere Atemwegserkrankung, wie eine Erkältung, die hartnäckig bestehen bleibt oder immer wiederkehrt (chronischer Verlauf). Aus dieser können sich besonders leicht verschiedene Komplikationen entwickeln, zum Beispiel eine ernstzunehmende Lungenentzündung.

Weitere Anzeichen einer geschwächten Immunabwehr sind Infektionen an

  • Augen,
  • Mund,
  • Haut und
  • im Magen-Darm-Trakt.

Zudem können eine verlangsamte Wundheilung, erhöhte Müdigkeit und generelle Leistungsschwäche auftreten.

Ständig erkältet: Steckt eine Immunschwäche dahinter?

Wenn jemand häufig erkältet ist, muss das nicht unbedingt an einem Immundefizit liegen. Manche Menschen sind beispielsweise bei ihrer Arbeit (zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen, Kinderbetreuungen) vermehrt Krankheitserregern ausgesetzt. In diesen Fällen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass eine Ansteckung erfolgt. So ist es auch bei Kindern, die einen Kindergarten oder die Schule besuchen und dort viel Kontakt zu anderen haben. Daher sind sechs bis zehn Erkältungen im Jahr bei Kleinkindern noch vollkommen normal.2

Wer oft erkältet ist, sollte versuchen, durch gesunde Ernährung und viel Bewegung allgemein das Immunsystem zu stärken. Wenn Sie sich allerdings unsicher sind, ob bei Ihnen oder Ihrem Sprössling eine Immunschwäche vorliegen könnte, ist es ratsam, zeitnah einen Allgemeinarzt aufzusuchen.

Ursachen: Wodurch entsteht eine Immunschwäche?


Wenn es zu den Gründen für die eingeschränkte Immunleistung kommt, unterteilen Experten in

Generell sind primäre Immundefekte deutlich seltener als die sekundäre Form.

Primäre Immundefekte

Unter dem Begriff der primären Immundefekte fassen Experten mehr als 100 verschiedene Störungen zusammen, welche – entweder als einzelne Krankheit oder als Teil eines Syndroms auftretend – die Immunstärke negativ beeinflussen.1 Sie sind auf eine erblich bedingte Genmutation zurückzuführen, liegen bereits bei der Geburt vor und zeigen sich zum Großteil das erste Mal bereits im frühen Kindesalter.1

Primäre Immunschwächekrankheiten werden, je nachdem, bei welcher Komponente des Immunsystems ein Mangel besteht, weiter unterteilt. So sind beispielsweise 50 bis 60 Prozent aller primären Immunschwächen den humoralen Immunschwächestörungen zugeordnet.1 Diese haben einen Antikörpermangel zur Folge und machen Betroffene besonders anfällig für bakterielle Infektionen. Darüber hinaus gibt es auch zelluläre Immunschwächestörungen (T-Zell-Störungen), welche mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen mit Viren oder Pilzen einhergehen und 5 bis 10 Prozent der primären Immunschwächen ausmachen.1

Sekundäre Immundefekte

Sekundäre Immunschwächen sind nicht genetisch bedingt und werden erst im Laufe des Lebens erworben. Sie entstehen durch:

  • schwerwiegende oder chronische Erkrankungen: Bestimmte Krankheiten, wie Diabetes, Leukämie (weißer Blutkrebs) oder AIDS (ausgelöst durch eine HIV-Infektion), können die Reaktionsfähigkeit des Immunsystems schwächen. Allerdings lässt die Beeinträchtigung des Immunsystems oft wieder nach, wenn die Krankheit abklingt beziehungsweise behandelt wird.
  • Medikamenteneinnahme: Sogenannte Immunsuppressiva haben den Zweck, die Immunreaktion kontrolliert zu reduzieren. Sie kommen zum Beispiel nach einer Organtransplantation zum Einsatz, um ein Abstoßen des fremden Körperteils zu verhindern. Zur Eindämmung von entzündlichen Krankheiten (wie Arthritis) können sie ebenfalls verordnet werden.
  • Mangelernährung: Vor allem eine zu geringe Aufnahme von Vitamin E, Kalzium und Zink kann ein geschwächtes Immunsystem begünstigen. Fällt das Körpergewicht durch Unterernährung generell auf unter 70 Prozent des empfohlenen Gewichts, sind starke Beeinträchtigungen in der Immunabwehr wahrscheinlich.
  • Krebstherapie: Zur Behandlung von Tumoren ist manchmal eine Strahlen- oder Chemotherapie von Nöten. Bei diesen werden allerdings nicht nur kranke Krebszellen, sondern zum Teil auch gesunde Immunzellen angegriffen. Daher kann es als Nebenwirkung dieser Therapien zeitweise zu einer geringeren Abwehrfunktion kommen.1

Immunschwäche bei älteren Menschen

Vor allem bei älteren Personen ist eine Immunschwäche ein häufiges Problem. Mit zunehmendem Alter nimmt die Immunabwehr natürlicherweise ab, da beispielsweise weniger T-Zellen (zuständig für die Erkennung und Bekämpfung von veränderten Zellen) produziert werden. Zudem leiden Senioren oft unter chronischen Krankheiten. Auch ernähren sich viele ältere Personen zu einseitig, zum Beispiel aufgrund von altersbedingten Einschränkungen (Probleme beim Kauen oder Schlucken). Deshalb wird die Leistung des Immunsystems bei ihnen nicht selten zusätzlich durch eine Mangelernährung negativ beeinflusst.1

Diagnose Immunschwäche: Das macht der Arzt


Beim Verdacht auf eine verringerte körperliche Abwehr wird der Mediziner im Patientengespräch (Anamnese) unter anderem nach Folgendem fragen:

  • wiederkehrende Krankheiten
  • schwere Infektionen
  • familiärer Häufung von Infektionskrankheiten
  • Medikamenteneinnahme
  • chronischen Erkrankungen (wie Diabetes, AIDS)

Auch erkundigt er sich nach dem Alter des Patienten, in welchem das erste Mal auffällig viele Infekte vorkamen. Verhärtet sich der Verdacht auf ein Immundefizit, stehen dem Mediziner verschiedene diagnostische Maßnahmen zur Verfügung, um eine Immunschwäche und deren Art zu ermitteln. Hierzu zählen:

  • körperliche Untersuchungen: Der Arzt tastet die Milz im linken Oberbauch ab, um zu überprüfen, ob diese vergrößert ist. Zudem überprüft er verschiedene Lymphknoten (unter anderem am Hals und hinter den Ohren) und die Gaumenmandeln im Rachen auf Veränderungen, da diese bei manchen Immundefiziten stark verkleinert oder vergrößert und übermäßig empfindlich sein können.
  • Bluttests: Bei der Auswertung eines großen (differenzierten) Blutbildes zeigen sich beispielsweise Veränderungen an Blutzellen, welche auf bestimmte Immunstörungen hindeuten. Auch die Menge bestimmter Antikörper im Blut spielt eine Rolle.
  • Biopsie: Hierbei entnimmt der Mediziner eine Gewebeprobe aus Lymphknoten und/oder dem Knochenmark. Die Probe wird auf spezielle Immunzellen untersucht, welche Ausschluss über einen Immundefekt geben können.
  • genetische Untersuchungen: Verschiedene Genmutationen werden ermittelt, welche womöglich für ein primäres Immundefizit verantwortlich sind.

Behandlung: Was hilft bei einer Immunschwäche?


Manche sekundären Immundefizite lassen sich relativ gut behandeln, zum Beispiel durch eine ausgewogene Ernährung oder die Therapie der ursprünglichen Krankheit (wie Diabetes oder AIDS). Bei Immunstörungen aufgrund von Krebstherapien oder Medikamenteneinnahmen ist das schwieriger, da auf diese Behandlungen meist nicht verzichtet werden kann. Ähnlich schwierig ist es bei angeborenen Immundefekten. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten:

Schnelles Handeln ist gefragt

Kommt es bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu den ersten Symptomen eines Infekts (HalsschmerzenHustenlaufende Nase), werden sofort Antibiotika oder antivirale Mittel verabreicht, um die Ausbreitung von Bakterien und Viren zu verhindern. Das gilt auch vorbeugend vor operativen oder zahnärztlichen Eingriffen, bei welchen Krankheitserreger in den Körper gelangen könnten.

Ersatz von Antikörpern: Immunglobulin-Therapie


Bei bestimmten Formen der Immunschwäche kommt eine sogenannte Immunglobulin-Therapie zum Einsatz. Hierbei werden Antikörper (Immunglobuline) von gesunden Menschen, die zuvor gespendet wurden, einem an Immunschwäche erkrankten Menschen (der zu wenige Antikörper besitzt) verabreicht. Die Gabe der Immunglobuline erfolgt entweder einmal im Monat intravenös (direkt in eine Vene) durch medizinisches Fachpersonal oder die Antikörper werden einmal in der Woche unter die Haut (subkutan) gespritzt.1

Der Vorteil der einwöchigen Therapie liegt darin, dass der Betroffene diese Variante selbstständig in den eigenen vier Wänden durchführen kann. Durch den Ersatz der zugeführten Antikörper ist das Immunsystem besser gegen Infektionen gewappnet. Die Immunglobulin-Therapie muss allerdings sehr regelmäßig und bei primären Immundefekten oft ein Leben lang durchgeführt werden, da der Körper nach einiger Zeit die Antikörper immer wieder abbaut.

Transplantation von Stammzellen


Bei besonders schweren Immundefekten wird unter Umständen eine Stammzellentransplantation in Betracht gezogen. Dabei werden zunächst Stammzellen aus dem Blut (ambulante Entnahme) oder Knochenmark (während einer OP) eines gesunden Spenders gewonnen. Anschließend bekommt der immungeschwächte Patient die Stammzellen gespritzt. Stammzellen sind unter anderem an der Produktion von Immunzellen beteiligt. Eine Stammzellentransplantation kann daher für eine Stärkung der körpereigenen Abwehr sorgen.

Lebenswichtige Spenden

Die Stammzellentransplantationen kommen nicht nur manchmal bei Immunschwäche, sondern beispielsweise auch bei Blutkrebs zum Einsatz und können Leben retten. Organisationen wie die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) kümmern sich um die Vermittlung von Patienten und Spendern.

Nicht ohne Risiken: Gentherapie

In Kombination mit der Stammzellentransplantation wird bei manchen schweren angeborenen Immunschwächen eine Gentherapie eingesetzt. Es erfolgt eine Entnahme der defekten Immunzellen aus dem Rückenmark des Patienten. Diese werden dann in einem Labor verändert beziehungsweise korrigiert, vermehrt und anschließend wieder dem Betroffenen zugeführt. Dieses Verfahren gilt unter Medizinern noch als relativ experimentell und ist nicht etabliert, da es bislang einige Risiken (wie Abstoßreaktionen des Körpers) birgt.3

Infektionen verhindern bei Immunschwäche


Die wichtigste Maßnahme ist, neben der eigentlichen Behandlung, die Vermeidung von Infektionen. Das ist essenziell, damit sich aus diesen bei einer Immunschwäche keine gefährlichen Komplikationen entwickeln. Folgendes können Betroffene dafür tun:

  • gründliche Körperhygiene, zum Beispiel häufiges Händewaschen und umfassende Zahnpflege
  • kein Verzehr von rohen oder möglicherweise verunreinigten Lebensmitteln
  • Vermeidung von Kontakt zu erkrankten Personen

Bei manchen Immundefiziten sind Impfungen mit Totimpfstoffen (abgetötete Erreger) gegen Infektionskrankheiten, wie beispielsweise die Grippe), möglich. Ist einem solchen Fall empfiehlt es sich, die Impfungen unbedingt durchführen zu lassen, da sie das Risiko einer Erkrankung deutlich verringern. Auch Menschen im näheren Umfeld des Patienten sollten sich gegen gängige Infektionskrankheiten impfen lassen, um eine Übertragung auf die immungeschwächte Person zu vermeiden.

Wird die Lebenserwartung durch einen Immundefekt beeinflusst?

Grundsätzlich kann eine Immunschwächekrankheit für eine verkürzte Lebensdauer verantwortlich sein, da Betroffene durch sie anfälliger für zum Teil lebensgefährliche Infektionen sind. Glücklicherweise lassen sich aber einige Formen der Immunschwächestörungen (vor allem der sekundären Form) behandeln, sodass Beeinträchtigungen der körperlichen Abwehr nicht ein Leben lang bestehen müssen.

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Pauline Zäh Bereits als Kind wusste Pauline Zäh, dass sie einmal Redakteurin werden wollte. Lesen und Schreiben waren schon immer ihre großen Leidenschaften. Während des Journalismus-Studiums spezialisierte sie sich im Bereich Medizin. Für sie ein besonders wichtiges Feld, denn Gesundheit geht jeden etwas an. Seit 2019 ist sie Teil von kanyo®. Pauline Zäh Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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