Hauptursache Tröpfcheninfektion: Ansteckung bei Erkältungen

Wenn die aktuelle Erkältungswelle anrollt, schwirren allerhand Viren durch die Luft, lauern auf Gegenständen und Türklinken oder suchen sich über den Händedruck des Kollegen ihren Weg in unseren Körper. Das Risiko, sich mit Erkältungskrankheiten anzustecken, ist hoch. Erwachsene erkranken im Schnitt zwei- bis viermal im Jahr an einer Erkältung, Kinder leiden hingegen wesentlich häufiger. Sechs- bis zehnmal1 fangen sie sich jährlich einen viralen Infekt ein. Meist werden Erkältungsviren per Tröpfcheninfektion übertragen. Hier bekommen Sie neben Informationen zu Erregern und Übertragungsmöglichkeiten auch eine Antwort auf die Frage, wie lange Sie bei einer Erkältung ansteckend sind.

Mann hat sich im Büro mit Erkältung angesteckt

So funktioniert die Übertragung der Erreger

Für die Ansteckung bei einer Erkältung kann eine Vielzahl aus ungefähr 200 Erregern2 verantwortlich sein. Am häufigsten sind Rhino-, Corona-, Adeno- und Respiratory-Syncytial-Viren die Übeltäter. Die Erreger wollen sich vermehren und sind deshalb auf den menschlichen Körper angewiesen, da sie ausschließlich dort Stoffwechsel betreiben können. Außerdem sind die Viren gut geschützt. Eine Eiweißhülle legt sich wie ein Schutzfilm um die Erreger. Diese Eiweißhüllen reagieren äußerst empfindlich auf Sonnenlicht und Austrocknung, was erklärt, warum Erkältungen im Winter weitaus häufiger vorkommen als im Sommer. Im Winter begünstigen kalte Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit (zum Beispiel bei Nebel) das Überleben der Viren3.

Die Übertragung der Erreger kann durch eine Tröpfcheninfektion oder eine Schmierinfektion stattfinden.

Die Tröpfcheninfektion

Vor allem beim Niesen, Husten oder Sprechen werden die Viren in winzige Wassertröpfchen eingebettet und in der Raumluft weit verteilt. So gelangen sie über die Atmung auf die Schleimhäute gesunder Personen.

Ein Nieser kann mit einem Schuss aus der Schrotflinte verglichen werden. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 Kilometern pro Stunde4 werden tausende Tröpfchen aus Rachen und Nase in die Umgebung gesprüht.

Einige Tröpfchen sind groß genug, dass sie in der Luft schnell absinken und dadurch nur innerhalb einer Reichweite von einem Meter übertragen werden. Andere hingegen sind so klein, dass sie über einen längeren Zeitraum in der Luft verbleiben und sich über sehr weite Strecken verbreiten können.

Die Schmier- oder Kontaktinfektion

Eine andere Übertragungsmöglichkeit neben der Tröpfcheninfektion ist die Schmier- oder Kontaktinfektion. Niest ein infizierter Mensch in seine Hand und fasst danach an Türklinken, Gegenstände oder Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln, so können die Erreger dort haften bleiben und über Hände anderer Menschen in deren Körper gelangen.

Über den Kontakt der Hände mit unseren Schleimhäuten gelangen die Erreger in unseren Organismus. Beim Händeschütteln mit erkälteten Personen werden dort haftende Viren von Hand zu Hand übertragen. Über einen Griff zur Nase oder Augen gelangen sie dann an die Nasen- und Rachenschleimhaut.

Wissenschaftler fanden heraus, dass sich der Mensch circa 16 Mal pro Stunde mit den Händen im Gesicht berührt. 90 Prozent6 der Erreger gelangen über die Hände in Ihren Körper. Unabdingbar ist deswegen regelmäßiges Händewaschen. Das Risiko, dass sie Sich mit einem viralen Infekt anstecken, wird dadurch um bis zu 55 Prozent gesenkt7 .

Die Viren allein reichen aber nicht für die Ansteckung mit einer Erkältung aus. Oft kann das Immunsystem die Erreger erfolgreich abwehren. Erst ein geschwächtes Abwehrsystem führt dazu, dass eine Erkältung ausbricht. Es kann die Krankheitserreger nicht mehr ausreichend abwehren. Der Betroffene wird krank.

Wie lange ist man bei einer Erkältung ansteckend?

Noch bevor Sie überhaupt merken, dass Sie sich erkältet haben, sind Sie ansteckend. Bereits vor den ersten Anzeichen einer Erkältung können Sie Ihre Mitmenschen zum Beispiel per Tröpfcheninfektion mit dem viralen Infekt anstecken8 . Nach zwei bis drei Tagen kommen die Symptome so richtig in Fahrt, bis sie nach sieben Tagen allmählich wieder abnehmen. Insgesamt ist man circa eine Woche ansteckend9 , selbstverständlich kann diese Zeit je nach Schwere der Infektion auch etwas länger dauern. Erst wenn Sie vollkommen frei von Symptomen sind, können Sie sicher sein, dass Sie keine Viren mehr übertragen und der virale Infekt nicht mehr ansteckend ist.

Wie lange Menschen mit einer Erkältung ansteckend sind, hängt auch von der Verfassung des Immunsystems ab. Menschen, die an einer Immunschwächeerkrankung leiden, sind in der Regel bei einem viralen Infekt auch länger ansteckend, da sich der gesamte Erkältungsverlauf durch die fehlende Funktion der Helferzellen verlängert und auch die Symptome stärker ausgeprägt sind10 .

So schützen Sie sich und andere vor der aktuellen Erkältungswelle

Hustenanfälle in der U-Bahn, kein frisches Taschentuch zur Hand und bei jedem Schritt dröhnt der Kopf: Sie können und sollten sich unbedingt vor Erkältungskrankheiten schützen – auch Ihren Mitmenschen zuliebe. Eine Erkältung ist zwar ungefährlich, schränkt aber in vielerlei Hinsicht ein und ist unangenehm. Gerade in den Wintermonaten haben Viren ein leichtes Spiel. Die Schleimhäute sind durch die trockene Heizungsluft nicht feucht genug und können ihrer abwehrenden Funktion nicht mehr nachkommen. Das ermöglicht es Erregern, sich per Schmier- oder Tröpfcheninfektion leicht einzunisten. Umso wichtiger ist es, sich mit folgenden Maßnahmen vor der nächsten Erkältungswelle zu schützen:

  1. regelmäßig Händewaschen (mindestens 20 bis 30 Sekunden lang einseifen)
  2. Türklinken desinfizieren
  3. in ein Taschentuch oder in die Armbeuge niesen und husten
  4. ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf
  5. genügend Bewegung

Sind Sie selbst erkältet, denken Sie auch an den Schutz anderer. Meiden Sie so gut es geht große Menschenansammlungen und verzichten Sie auf den Händedruck. Sie tun Ihren Kollegen auch keinen Gefallen, wenn Sie sich mit starken Symptomen während der aktuellen Erkältungswelle in die Arbeit schleppen. Gerade in Großraumbüros herrscht höchste Ansteckungsgefahr, unterstützt durch die meist trockene Raumluft.

Zudem sollten Sie Ihnen und Ihren Sportkollegen zuliebe auf das Training während eines viralen Infektes verzichten. Durch Körperkontakt bei sportlicher Betätigung werden die Viren über eine Schmier- oder Tröpfcheninfektion besonders gut übertragen. Das Immunsystem ist vor allem bei hoher körperlicher Belastung nach dem Sport ohnehin einige Zeit geschwächt. Die Werte der Lymphozyten und Killerzellen im Blut sinken nämlich vorübergehend, weil der Körper durch die Anstrengung geschwächt ist (Open Window Effekt). Das begünstigt also auch die Ansteckung Ihrer Mitstreiter mit einer Erkältung. Auch Sie selbst sollten auf Sport verzichten, um Ihr Immunsystem nicht unnötig zu belasten und damit zu schwächen. Die Energie, die Ihr Körper für die Bekämpfung der Erkältungsviren braucht, geht durch den Sport verloren. Zudem besteht die Gefahr, dass dadurch eine lebensgefährliche Herzmuskelentzündung entstehen kann. Ruhen Sie sich stattdessen lieber aus und kehren Sie erst in Ihren gewohnten Alltag zurück, wenn Sie ganz gesund sind und keine anderen Menschen mehr gefährden können.

1 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Erkältung. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/erkaeltung.2642.de.html#haeufigkeit (21.06.2018)
2 Universität des Saarlandes: Welche Erkältungskrankheiten gibt es? URL: https://www.uni-saarland.de/universitaet/aktuell/produktinformationen/gesundheit/archiv/welche-erkaeltungsviren-gibt-es.html (20.06.2018)
3 Markus Sommer: Grippe und Erkältungskrankheiten natürlich heilen. Stuttgart: aethera 2009. S. 36
4 Atul Gawande: Gesundheit! URL: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheit-75058 (21.06.2018)
5 Yves Schurzmann/Pia Huneke: Warum Händewaschen vor Ansteckung hilft: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/erkaeltung-hand-experiment-100.html (21.06.2018)
6 Ebd.
7 Ebd.
8 Ebd.
9 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Erkältung. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/erkaeltung.2642.de.html#verlauf (21.06.2018)
10 Claudia Eberhard-Metzger/Renate Ries: Verhängnisvolle Immunschwäche. In: Verkannt und heimtückisch. Basel: Birkhäuser 1996 URL: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-0348-6025-3_12 (21.0.2018)