Wie erkenne ich eine verschleppte Erkältung?


In der Regel klingen die Symptome einer unkomplizierten Erkältung ohne weitere Behandlung etwa nach neun Tagen ab (bei Kindern kann sich der Zeitraum auf bis zu 15 Tage verlängern)1. Halten SchnupfenHalsschmerzen und Husten jedoch länger an oder verschlimmern sich, deutet dies darauf hin, dass die Erkrankung verschleppt wurde.

Einige Personen erkennen bis zu viermal jährlich bei sich eine Erkältung.2 Der Grund dafür ist, dass hunderte von unterschiedlichen Erregern eine Erkältung zur Folge haben können. Für gewöhnlich sind Viren die Schuldigen – insbesondere Rhinoviren. Weil so viele verschiedene Viren existieren, deren Folge eine Erkältung ist, kennt unser Immunsystem nicht immer die optimalen Bekämpfungsmöglichkeiten.

Verdacht auf verschleppte Erkältung: Was tun?

Kommen zu den typischen Erkältungssymptomen weitere Beschwerden (zum Beispiel Ohrenschmerzen) hinzu, sollten Sie zeitnah Ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser kann Sie gründlich untersuchen und so zum Beispiel aus dem Infekt heraus entstandene Folgeekrankungen feststellen.

Wie kommt es zu einer verschleppten Erkältung?


Wenn Sie bei sich eine Erkältung erkennen, ist Ihr Immunsystem bereits in Alarmbereitschaft. Es konzentriert sich nun hauptsächlich auf die Bekämpfung des erkältungsauslösenden Erregers. Das kostet viel Kraft und Energie.

Das Problem: Auslöser von anderen Krankheiten haben jetzt leichtes Spiel beim Eindringen in Ihren Organismus. Nicht selten kommt es zu einer bakteriellen Superinfektion. Von dieser sprechen Mediziner, wenn der Organismus neben den (Erkältungs)viren zusätzlich noch von Bakterien befallen wird. Häufig ist das der Grund für viele Folgeerkrankungen eines grippalen Infekts.

Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Erkältungserreger selbst noch weiter in Ihren Körper vordringen. In diesem Fall ist dann umgangssprachlich von einer verschleppten (nicht auskurierten) Erkältung die Rede. Diese sollte unbedingt ernst genommen werden, da sie zum Teil schwerwiegende Folgeerkrankungen mit sich bringen kann.

Verschleppte Erkältung verhindern

Die beste Methode, um einen verschleppten Infekt und daraus resultierende Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist, sich zu schonen. Denn eine gute körperliche Verfassung ist das A und O, damit das Immunsystem mit weiteren Erregern zurechtkommt. Vermeiden Sie also während einer Erkältung körperliche Anstrengung (zum Beispiel in Form von Sport) und achten Sie auf ausreichend Schlaf. Zusätzlich wirkt sich eine gesunde und vitaminreiche Ernährung positiv auf das Immunsystem aus.

Bei bestimmten Personengruppen ist das Risiko für eine verschleppte Erkältung erhöht, da ihr Immunsystem häufig geschwächt ist. Dazu gehören:

  • schwangere Frauen
  • ältere Menschen
  • Personen mit immunschwächenden Vorerkrankungen (zum Beispiel einer HIV-Infektion)
  • Patienten, die Immunsupressiva (das Abwehrsystem hemmende Medikamente) einnehmen

Daher sollten sich diese Menschen schon bei leichten Erkältungsanzeichen sicherheitshalber an ihren Arzt wenden und beraten lassen.

Verschleppte Erkältung: Welche Folgen sind denkbar?


Zu den Erkrankungen, welche die Folge einer Erkältung sein können, gehören unter anderem:

  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis): Sekret verstopft die Gänge zwischen Nase und Nebenhöhlen. Krankheitserreger vermehren sich dann besonders leicht und eine Nasennebenhöhlenentzündung wird ausgelöst. Diese macht sich oft durch Durckschmerzen im Strin-, Augen- und Wangenbereich bemerkbar.
  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Krankheitserreger gelangen über die Eustachische Röhre (Verbindung zwischen Nasen-Rachenraum und Mittelohr) in das Innere des Ohrs und lösen dort eine Entzündung aus. Vor allem Kinder sind davon häufig betroffen. Symptome der Mittelohrentzündung sind unter anderem starke Ohrenschmerzen und vorübergehende Gehörminderung.
  • Mandelentzündung (Tonsillitis): Führt der Infekt zu einer Entzündung der im Hals liegenden Mandeln, macht sich das meist durch massive Schluckbeschwerden (Gefühl von Kloß im Hals und Schmerzen) bemerkbar. Außerdem sind die Mandeln stark gerötet und vergrößert.
  • Bronchialschleimhautentzündung (Bronchitis): Gelangen die Erreger in die unteren Atemwege, ist es denkbar, dass sich die Schleimhäute der Bronchien (luftleitende Anteile der Lunge) entzünden. Eine Bronchitis zeigt sich in der Regel durch einen heftigen Husten mit Sekretauswurf.
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Hierbei sind die Lungenbläschen und umgebendes Gewebe entzündet. Charakteristisch für eine Lungenentzündung sind allgemeine Abgeschlagenheit, hohes Fieber, Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Husten und Schmerzen in der Brust. Die Erkrankung ist durchaus ernst zu nehmen, da sie in Ausnahmefällen zu lebensgefährlichen Komplikationen (wie einem Atemstillstand) führen kann.
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Häufig zeigen sich keine speziellen Symptome, sondern lediglich ein allgemeines Krankheitsgefühl (ähnlich wie bei einer Grippe). Herzrasen und Brustschmerzen kommen nur in wenigen Fällen vor. Trotzdem muss die Herzmuskelentzündung als Folge einer verschleppten Erkältung bei Beschwerden unbedingt in Betracht gezogen werden. Denn Komplikationen, wie eine Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder gar Herzversagen, sind – wenn auch selten – möglich.
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Sehr selten gelangen als Folge einer verschleppten Erkältung Viren über das Blut in das Gehirn und lösen dort eine Entzündung aus. Treten ein steifer Nacken, starke Kopfschmerzen und Fieber auf, sollten Betroffene aufmerksam werden und sofort einen Arzt aufsuchen, da eine Hirnhautentzündung einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen kann.

Die Behandlung einer verschleppten Erkältung


Da verschiedene Folgen einer verschleppten Erkältung möglich sind, variert die Behandlung. In der Regel sind Sie jedoch mit einem Besuch beim Ihrem Hausarzt gut beraten.

Leichtere Folgeerkrankungen, wie die Nasennebenhöhlenentzündung, lassen sich recht gut behandeln: Schleimlösende Medikamente und abschwellende Nasensprays sorgen für ein einfacheres Abfließen des Sekrets. Bei einer eitrigen, bakteriellen Entzündung der Nasennebenhöhlen verschreibt der Mediziner womöglich Antibiotika für eine schnellere Heilung. Auch bei einer Mandel- oder Mittelohrentzündung kann dieses unter Umständen neben anderen Maßnahmen (beispielsweise Halstabletten oder Hausmitteln wie kühlende Wickel) zum Einsatz kommen.

Beim Verdacht auf schwerwiegendere Kompliaktionen, wie eine Lungen-, Herzmuskel- oder Hirnhautentzündung, verweist der Hausarzt an einen anderen Spezialisten – beispielsweise einen Internisten (Facharzt für innere Medizin) – oder direkt an ein Klinikum. Diese werden je nach Art der Erkrankung eine individuelle Behandlung anordnen.

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Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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