Ursachen: Warum wird man im Urlaub häufig krank?
Steht der wohlverdiente Urlaub an, kann man eines ganz sicher nicht gebrauchen: eine triefende Nase, Halsschmerzen oder Husten. Doch warum erkranken viele Menschen ausgerechnet zu Beginn ihres Urlaubs an einer Erkältung?
Ursachen gibt es verschiedene, die häufigste ist die sogenannte Leisure Sickness – zu Deutsch: Freizeitkrankheit. Dabei handelt es sich nicht um eine medizinische Diagnose, sondern vielmehr um ein Phänomen, das meist zu Beginn des Urlaubs oder zum Wochenende hin auftritt. Verantwortlich ist häufig eine vorangegangene Phase mit viel Stress und körperlicher Belastung. In solchen Situationen ist die körpereigene Abwehr in Topform, da sie ständig stimuliert wird. Fällt die Anspannung jedoch weg, zum Beispiel am Wochenende oder zu Urlaubsbeginn, fährt das Immunsystem herunter. Das nutzen Krankheitserreger aus und der Körper kann mit typischen Erkältungssymptomen reagieren.
Neben der Leisure Sickness spielen auch andere Einflüsse eine Rolle, die das Immunsystem fordern können:
- Veränderungen der Umgebungstemperaturen, beispielsweise Klimaanlagen
- Nähe zu vielen Menschen, unter anderem am Flughafen oder im Reisebus
- Reizstoffe wie Pollen, Schimmelpilze oder Luftverschmutzung
- mangelnde Hygiene, beispielsweise kein sauberes Trinkwasser
- ungewohnte Lebensmittel im Urlaubsland
Erkältung, Grippe oder doch Corona?
Wer Halsschmerzen, Husten und Co. hat, fragt sich mitunter, was dahintersteckt: Erkältung, Grippe oder Corona?
- Eine Erkältung (grippaler Infekt) zeigt sich in der Regel mit leichteren Symptomen, die schleichend beginnen. Zu Fieber kommt es eher selten.
- Demgegenüber tritt die Grippe (Influenza) plötzlich und mit deutlich heftigeren Beschwerden auf. Häufig wird sie von Fieber und Gliederschmerzen begleitet.
- Das Coronavirus kann leichte bis schwere Atemwegssymptome auslösen. Meist zeigen sich Fieber, Husten und Atemnot. Auch der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinnes ist möglich.
Krank im Urlaub: Was tun?
Frühe Symptome wie Kratzen im Hals, Schnupfen oder Husten können Anzeichen für eine beginnende Erkältung sein. Wenn Sie merken, dass sich eine solche anbahnt, sollten Sie auf Ruhe achten und sich möglichst schonen. Körperliche Anstrengung ist in dieser Phase zu vermeiden, da der Körper seine gesamte Energie benötigt, um die Krankheitserreger zu bekämpfen.
Darüber hinaus können folgende Hausmittel helfen, die beginnende Erkrankung abzumildern:
- Ausreichend Flüssigkeitszufuhr: Achten Sie darauf, mindestens 1,5 Liter zu trinken.1 Das sorgt dafür, dass sich der Schleim löst und die Viren aus dem Körper transportiert werden.
- Kräutertee: Bei Halsschmerzen bieten sich Tees mit Salbei oder Kamille an, während Ingwertee Hustenreiz lindern kann.
- Dampfinhalation: Das Einatmen von Wasserdampf – in Kombination mit Meersalz oder ätherischen Ölen – kann die Atemwege befreien und helfen, festsitzenden Schleim zu lösen.
Falls Hausmittel keine Linderung verschaffen oder die Symptome sich verschlimmern, gibt es auch medikamentöse Alternativen. Gegen eine verstopfte Nase stehen beispielsweise abschwellende Nasensprays zur Verfügung, während schmerzstillende Präparate bei Kopf- und Gliederschmerzen helfen können.
Wann sollten Sie zum Arzt gehen?
Bei einer leichten Erkältung brauchen Sie in der Regel keinen Arzt aufzusuchen. Anders sieht es jedoch aus, wenn:
- ungewöhnliche oder sehr starke Beschwerden auftreten2
- das Fieber länger als 1 bis 2 Tage anhält oder über 40 Grad Celsius ansteigt3
- Atemprobleme oder Schmerzen in der Brust hinzukommen4
Achten Sie bei der Reisevorbereitung auch auf die medizinische Versorgung am Urlaubsort. Notieren Sie sich wichtige Notrufnummern und die Adressen lokaler Kliniken, damit Sie im Ernstfall schnell handeln können.
Für den Arztbesuch im Ausland empfiehlt es sich zudem, mögliche Sprachbarrieren zu bedenken: Übersetzungs-Apps oder vorbereitete Vokabelkarten können helfen, sich verständlich zu machen. Informieren Sie sich außerdem vorab, wo Sie englischsprachige medizinische Anlaufstellen finden.
Gut vorbereitet: Was gehört alles in die Reiseapotheke?
Da die Ausstattung der Apotheken vor Ort je nach Urlaubsland stark variiert, ist es ratsam, eine Reiseapotheke mit den wichtigsten Mitteln einzupacken. Dazu gehören unter anderem:
- Fieberthermometer
- Medikamente gegen Schmerzen und Fieber
- Präparate gegen Magen-Darm-Beschwerden
- Arzneimittel gegen Erkältungsbeschwerden (zum Beispiel ein abschwellendes Nasenspray)
- Augentropfen gegen trockene Augen
- Wunddesinfektionsmittel
- Wund- und Heilsalbe
- Kühlkompressen für unterwegs
- Verbandsmaterial wie Pflaster, Schere, Pinzette, Einmalhandschuhe
Sollten Sie mit Kind reisen, ist es sinnvoll, die Reiseapotheke entsprechend anzupassen: So bieten sich zum Beispiel Kümmelzäpfchen an, wenn das Baby Bauchschmerzen oder Blähungen hat. Auch ein Windelbalsam ist ratsam, um einen etwaigen roten Po zu behandeln.
Wichtig!
Denken Sie daran, sich vorab über die Einfuhrbestimmungen für Medikamente in Ihrem Urlaubsland zu informieren, um Probleme bei der Einreise zu vermeiden.
Krank im Urlaub: Arbeitsunfähigkeit und rechtliche Aspekte
Sollten Sie während des Urlaubs krank werden und Ihre Reise nicht wie geplant antreten oder fortsetzen können, haben Sie die Möglichkeit, sich die Urlaubstage zurückzuholen und den Anspruch auf Entgeltfortzahlung zu sichern. Hierfür gibt es einige Punkte zu beachten:
- Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausstellen lassen: In Deutschland ist es kein Problem, eine Krankschreibung während des Urlaubs zu erhalten. Bei Aufenthalt im Ausland sollten Sie jedoch darauf achten, dass auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung die Erkrankung und die Arbeitsunfähigkeit klar vermerkt sind.
- Arbeitgeber und Krankenkasse informieren: Melden Sie sich umgehend telefonisch oder per Mail bei Ihrem Arbeitgeber und Ihrer Krankenasse. Teilen Sie ihnen Ihre Arbeitsunfähigkeit, die voraussichtliche Dauer und – bei Auslandsaufenthalt – Ihre Adresse mit.5 Nur so können Sie sicherstellen, den Anspruch auf Entgeltfortzahlung nicht zu verlieren.
- Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen: Das Gesetz sieht vor, dass das Attest dem Arbeitgeber spätestens am vierten Tag der Erkrankung vorliegen muss.6 Der Arbeitgeber kann auf eine frühere Vorlage bestehen, je nach Vereinbarung im Arbeitsvertrag.
Sie sind aus dem Ausland zurück? Auch darüber müssen Sie den Arbeitgeber sowie die Krankenkasse in Kenntnis setzen.
Gut zu wissen!
Es besteht kein Anspruch darauf, krankheitsbedingte Urlaubstage nachträglich an den Urlaub anzuhängen. Wenn Sie nach dem Urlaub arbeitsfähig sind, müssen Sie auch wieder arbeiten. Das Bundesurlaubsgesetz sieht jedoch vor, dass der Urlaub vom Arbeitgeber nachgewährt werden muss – denn krankheitsbedingte Urlaubstage zählen nicht zum Jahresurlaub.7 Erfolgt die Nachholung der Urlaubstage weder im laufenden Kalenderjahr, noch bis zum 30. September des Folgejahres, weil beispielsweise das Arbeitsverhältnis endet, können Sie sich diese durch eine finanzielle Vergütung ersetzen lassen (Urlaubsabgeltung). Jedoch nur innerhalb von 15 Monaten nach Jahresende.8
Versicherungen bei Krankheit im Urlaub: Was ist wo abgedeckt?
Die gesetzliche Krankenversicherung umfasst nicht alle Leistungen, die im Krankheitsfall im Urlaub notwendig sind. Um gut abgesichert zu sein, empfiehlt sich vorab der Abschluss spezieller Reiseversicherungen. Zu den wichtigsten zählen:
- Reiserücktrittsversicherung: Insbesondere die Reiserücktrittsversicherung bietet Ihnen finanziellen Schutz, wenn unvorhergesehene Ereignisse wie Krankheit oder ein Unfall dazu führen, dass Sie Ihre Reise nicht antreten können. Diese Versicherung übernimmt die Stornokosten, wenn die Krankheit ärztlich bestätigt wird, und verhindert so, dass Sie auf dem gesamten Reisepreis sitzen bleiben.
- Reiseabbruchversicherung: Diese Versicherung tritt ein, wenn Sie Ihre Reise nach Beginn abbrechen müssen. Gründe für einen Abbruch können eine unerwartete Erkrankung, ein Unfall oder andere schwerwiegende Ereignisse während der Reise sein. In der Regel werden die Kosten für den abgebrochenen Urlaub sowie zusätzliche Kosten übernommen, die durch die vorzeitige Rückkehr entstehen (zum Beispiel Umbuchungskosten für den Rückflug).
- Auslandskrankenversicherung: Diese deckt in der Regel die medizinischen Kosten bei Krankheit im Ausland, einschließlich Arztbesuchen, Medikamenten und in vielen Fällen auch Krankenhausaufenthalten. Sollte der Krankheitsfall besonders schwerwiegende Behandlungskosten erfordern, beispielsweise den Rücktransport ins Heimatland, sind diese oft abgedeckt.
Einige Versicherer bieten kombinierte Versicherungsprodukte, die Reiserücktrittsversicherung, Reiseabbruchversicherung und Auslandskrankenversicherung enthalten, an. Häufig umfassen diese noch weitere Leistungen wie Rücktransportkosten oder Reisegepäckversicherung.
Prävention: So beugen Sie einer Erkältung im Urlaub vor
Um einer Erkältung im Urlaub vorzubeugen können Sie verschiedene Maßnahmen ergreifen, die Ihr Immunsystem stärken und das Ansteckungsrisiko mit Krankheitserregern minimieren. Dazu gehören unter anderem:
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, um die Schleimhäute feucht zu halten und das körpereigene Abwehrsystem zu unterstützen.
- Ausreichend Schlaf: Schlafmangel kann das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Krankheiten erhöhen. Im Durchschnitt benötigen Erwachsene zwischen 7 und 8 Stunden Schlaf.9
- Vermeidung von Stress: Um der Leisure Sickness vorzubeugen, sollten Sie im beruflichen Alltag auf eine Balance aus Anspannung und Entspannung achten. Planen Sie bewusst Erholungspausen ein und genießen Sie ausgleichende Aktivitäten wie ein Hobby.
- Bewegung und Sport: Regelmäßige Bewegung – am besten an der frischen Luft – fördert die Durchblutung und stärkt das Immunsystem.
- Hygiene: Waschen Sie sich regelmäßig die Hände, besonders vor dem Essen. In einigen Ländern sollten Sie zudem den Kontakt mit Leitungswasser vermeiden und stattdessen auf abgefülltes Wasser zurückgreifen.
- Vermeidung von plötzlichen Temperaturwechseln: Achten Sie darauf, sich bei starken Temperaturunterschieden, wie beim Wechsel zwischen klimatisierten Räumen und der heißen Sommerluft, gut zu kleiden, um keine Erkältung zu riskieren.
Reisevorbereitung: Impfstatus checken!
Je nach Reiseziel können bestimmte Impfungen vor der Abreise sinnvoll sein, beispielsweise Impfungen gegen (tropische) Erkrankungen wie Hepatitis A und B oder Typhus. Lassen Sie sich rechtzeitig von einem Arzt beraten, um vor Reiseantritt alle nötigen Impfungen zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen zu „Krank im Urlaub“
Wenn Sie sich vor oder während des Urlaubs erkälten, sollten Sie sich vor allem Ruhe gönnen und schonen. Außerdem ist ausreichend trinken wichtig, um die Schleimhäute feucht zu halten und Krankheitserreger auszuspülen. Nutzen Sie bewährte Hausmittel wie Kräutertees oder Dampfinhalationen. Falls nötig, greifen Sie auf Medikamente aus der Reiseapotheke zurück oder suchen Sie ärztliche Hilfe vor Ort.
Wer während des Urlaubs krank wird und ein Attest vorlegt, kann sich die betroffenen Urlaubstage nachgewähren lassen. Diese Tage gelten dann nicht als genommen und werden dem Urlaubskonto wieder gutgeschrieben.
Eine Meldepflicht besteht dann, wenn Sie sich Ihre verpassten Urlaubstage zurückholen möchten. Dazu ist es notwendig, ein ärztliches Attest einzuholen und den Arbeitgeber sowie – bei Auslandsaufenthalten – auch die Krankenkasse über die Erkrankung zu informieren. Erfolgt keine Krankmeldung, bleiben die Tage als Urlaubstage bestehen.